Wie begeistert man Menschen für Bewegung?
Karin Kapatais
ist Fitness- und CrossFit-Trainerin und betreibt mit Project You ein Sportstudio für Frauen in Neubau. Als Präsidentin des SV Neubau setzt sie sich für mehr und leichter zugängliche Sportangebote im Bezirk ein.
Was für ein Privileg es ist, sich frei bewegen zu können, merkt man oft erst, wenn es plötzlich nicht
mehr möglich ist.
Das habe ich selbst erfahren, als ich vor einigen Jahren einen Bandscheibenvorfall hatte und fast ein Jahr kaum gehen konnte. Ein starker Körper, das weiß ich heute, bedeutet vor allem, selbstständig zu sein und sich auf ihn verlassen zu können. Auch im Alter.
Ob Menschen Bewegung für sich entdecken, hängt aber auch davon ab, welche Möglichkeiten wir ihnen geben.
Nicht jedes Kind wächst in einer Familie auf, in der Sport selbstverständlich ist. Manchmal fehlt das Geld, manchmal das Wissen über Angebote und manchmal einfach der Mut, irgendwo hinzugehen, wo es scheinbar schon alle andere können.
Deshalb braucht es Orte, an denen man einfach mitmachen und ausprobieren kann, ohne bewertet zu werden oder das Gefühl zu haben, sich beweisen zu müssen.
In einem dicht verbauten Bezirk wie Neubau ist der Platz dafür naturgemäß begrenzt. Wir können nicht an jeder Ecke einen neuen Sportplatz bauen, also müssen wir genauer hinschauen, was schon da ist und wie sich diese Räume besser nutzen lassen. Schulsportanlagen werden deshalb auch außerhalb der Unterrichtszeiten geöffnet, in den Parks gibt es Ballspiel- und Fitnessflächen, und mit dem neuen Sportsaal im Stadtquartier Sophie 7 kommt ein weiterer Ort dazu. Gleichzeitig wollen wir mit dem SV Neubau Vereine und Anbieter stärker miteinander verbinden, damit nicht nur mehr Angebote entstehen, sondern die Menschen auch erfahren, dass es sie gibt.
In Bewegung
Wo Platz knapp ist, muss man erfinderisch werden. In den vergangenen Jahren wurden Sportflächen in Parks ausgebaut und Schulsportanlagen geöffnet. Mit dem SV Neubau werden Angebote und Vereine im Bezirk vernetzt, im Stadtquartier Sophie 7 entsteht ein neuer Sport- und Bewegungssaal. So wird Bewegung Stück für Stück Teil des Grätzlalltags.
Denn Sport ist für mich nie nur Privatsache.
Natürlich hält Bewegung gesund, aber mindestens genauso wichtig finde ich, was dabei nebenher passiert: Menschen kommen zusammen, die unterschiedlich alt sind, aus verschiedenen Kulturen und sozialen Milieus kommen und sich sonst vielleicht nie begegnet wären. Für eine Stadt ist das nicht ganz unwichtig. Denn wo Menschen gemeinsam etwas tun, entsteht ganz nebenbei auch Gemeinschaft.