Für wen wird Stadt eigentlich gemacht?
Manchmal sind es die kleinen Dinge, an denen sich die ganz großen Fragen entscheiden. Wie breit ein Gehsteig ist. Ob im Park eine Bank im Schatten steht. Ob Wege gut einsehbar sind und man sich auch abends sicher fühlt. All das entscheidet mit darüber wer sich selbstverständlich durch unsere Stadt bewegen kann, wer sich gerne in ihr aufhält. Und für wen sie voller Hindernisse steckt.
Der öffentliche Raum wurde lange vor allem für Menschen geplant, die morgens zur Arbeit fahren und abends wieder nach Hause kommen. Die gut zu Fuß sind und sich nicht darum kümmern müssen, wie man mit Kinderwagen, Einkaufstaschen oder oder als gebrechlicher Mensch durch die Stadt kommt.Wenn ich es zuspitzen müsste, würde ich sagen: Die Stadt wurde für Männer und ihre Autos geplant.
Anna Babka
ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Wien. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Gender, Queer und Postcolonial Studies. Seit 2013 ist sie Bezirksrätin in Neubau, heute außerdem Genderbeauftragte und Vorsitzende der Kulturkommission. Seit rund drei Jahrzehnten lebt sie mit ihrer Familie im Bezirk.
In Neubau versuchen wir, diese unterschiedlichen Lebensrealitäten mitzudenken. Parks wurden so umgestaltet, dass dunkle, schwer einsehbare Ecken verschwinden. Es gibt mehr Bänke, mehr Schatten und Grün, weniger Verkehr und damit mehr Platz für Menschen. Ob das funktioniert, sieht man am besten daran, wer diese Räume heute nutzt: ältere Menschen, die auf einer Bank sitzen, Familien mit Kindern, Menschen, die im Schatten eine Pause machen.
Letztlich profitieren davon alle.
Stadt für alle statt für wenige
In Neubau wird öffentlicher Raum seit Jahren auch aus einer Genderperspektive betrachtet. Bei der Umgestaltung von Parks wurden etwa dunkle, schwer einsehbare Bereiche reduziert und mehr Möglichkeiten zum Sitzen, Spielen und Verweilen geschaffen. Auch verkehrsberuhigte Straßen, breitere Gehbereiche, Begrünung und Schatten sollen dazu beitragen, dass Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen den öffentlichen Raum möglichst selbstständig und sicher nutzen können.