Was braucht es damit man in einer Stadt gut alt werden kann?
Lisbeth „Sissi“ Stöckl
lebt seit mehr als 30 Jahren in Neubau und ist Senior:innenbeauftragte des Bezirks. Vor ihrer Pensionierung arbeitete sie in der Sozialarbeit, unter anderem in der Flüchtlingshilfe. Heute engagiert sie sich für die Anliegen älterer Menschen und ein generationenübergreifendes Zusammenleben in Neubau.
Ich finde, auf das Älterwerden kann man sich eigentlich freuen.
Vor allem auf die Freiheit, die damit kommt. Darauf, nicht mehr so viele Verpflichtungen zu haben, nicht ständig irgendwelche Rollen erfüllen zu müssen und irgendwann auch darauf zu pfeifen , was andere von einem denken.
Ich spreche gewissermaßen aus Erfahrung, immerhin bin ich 65 und merke: Vieles wird leichter.
Gleichzeitig frage ich mich, wie ich in Zukunft leben möchte.
Gut alt zu werden bedeutet für mich vor allem, möglichst lange selbstständig zu bleiben. Natürlich hat das mit der eigenen Gesundheit zu tun, aber eben auch damit, wie die Umgebung aussieht, in der man lebt.
Natürlich hat das mit der eigenen Gesundheit zu tun, aber eben auch damit, wie die Umgebung aussieht, in der man lebt.
Wenn es etwa Geschäfte und Ärzt gut erreichbar sind, es unterwegs Plätze zum Ausruhen gibt und genügend Grün und Schatten. Dazu kommen Orte, an denen man anderen begegnet.
Wie wir alt werden, hängt nämlich auch davon ab, ob wir im Alltag Teil einer Gemeinschaft bleiben.
Auch deswegen beschäftigt es mich, wie sich meine Umgebung verändert. Wenn etwa kleine Geschäfte verschwinden, wenn einzelne Wohnungen nur noch an Touristen vermietet werden und die Mietverträge immer öfter befristet sind, dann geht irgendwann auch ein Stück Nachbarschaft verloren.
Gut alt werden
Neubau setzt auf unterschiedliche Angebote, die älteren Menschen ein selbstständiges und soziales Leben im Grätzl erleichtern sollen. Im neuen Klub All kommen unterschiedliche Generationen zusammen, das Haus Neubau bietet Wohn-, Pflege- und Betreuungsangebote, und Community Nurses beraten regelmäßig kostenlos zu Gesundheit, Pflege, Prävention und Unterstützung im Alltag.
Ein Bezirk sollte deshalb Orte schaffen, an denen ganz unterschiedliche Menschen zusammenkommen.
In Neubau gibt es inzwischen etwa den neuen All-In-Klub in Sophie 7, der bewusst für verschiedene Altersgruppen offen ist. Auch Veranstaltungen wie die Literaturmeile oder „Neubau tanzt“ bringen Menschen zusammen. Und direkt vor meiner Haustür, in der Kirchberggasse, haben wir Bewohner:innen uns gemeinsam dafür eingesetzt, dass aus unserer Straße ein Ort wird, an dem man sich gerne aufhält. Heute ist sie Autofrei, es gibt es schattige Plätze, Bänke und Beete, um die wir uns alle kümmern. Junge wie Alte.