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am 29. September 2015

Platz für alle

Markus Reiter - Wer kann in Neubau leben, für wen gibt es Platz? Unsere Pläne für die Umnutzung des Sophienspitals.

Fair teilen betrifft auch den Platz. Gemeinsam haben wir viel erreicht: Mehr öffentlicher Raum mit der Mariahilfer Straße, Freiräume mit dem neuen Emil-Maurer Park und dem Ceja-Stoika-Platz. Bespielbare Wohnstraßen, mehr Platz für Kinder und Jugendliche in Jugendtreffs, Parks und dem Indoorspielplatz Kichererbse und eine lebendige Kulturszene.

Doch mit Wien wächst auch Neubaus Bevölkerung, bis 2034 um 14 Prozent. 4.000 Menschen, die Platz zum Leben, Spielen und Lernen brauchen. Wer kann es sich dann noch leisten, hier zu wohnen? Die Mieten steigen viel schneller als die Einkommen. Unsichere Arbeitsverhältnisse sind oft Normalität, ob in prekären Jobs, als Kulturschaffende oder Ein-Personen-Unternehmen. Viele müssen deshalb schon jetzt jeden zweiten Euro ins Wohnen stecken. Weil die Mieten auch für soziale Einrichtungen längst zu hoch sind, gibt es außerdem zu wenige öffentliche Kinderbetreuungsplätze. Die Verdrängung von einkommensschwächeren Menschen und Familien aus dem Bezirk ist die logische Konsequenz.

Unser Anspruch: Wo grün regiert, gibt es Platz für alle. Das hängt von Dingen ab, die die Stadt gestalten kann – vor allem, indem Verteilungsfragen eine starke Rolle bei baupolitischen Entscheidungen spielen.

Denn innerstädtisch gibt es kaum freie Flächen für neuen Wohnraum. Die hohen Grundstückspreise lassen dann meist nicht geförderte Mietwohnungen, sondern teures Eigentum entstehen. Umso wichtiger ist uns in Neubau, dass die Stadt ihren wertvollen eigenen Boden nicht an die Meistbietenden verkauft. Damit der Bezirk auf Dauer für alle bewohnbar bleibt, braucht es sozialen Wohnbau.

Unsere größte Chance dafür ist das Areal des Sophienspitals. Nach Schließung des Krankenhauses stehen ab 2017 38.000 Quadratmeter Nutzfläche für ein neues Grätzl zur Verfügung. Aus unserer Sicht kann dort das entstehen, was Neubau dringend braucht: Vier Kindergartengruppen, eine Volksschule mit über 10 Klassen und eine Wohnnutzung, die unterschiedliche Bedürfnisse abdeckt - vom leistbaren Gemeindewohnbau bis zur Fläche für eine selbstorganisierte Baugruppe. Weil wir mit „Platz für alle“ aber wirklich „alle“ meinen, soll auch an Menschen gedacht werden, für die das soziale Europa scheinbar nirgendwo Platz hat. Derzeit müssen viele von ihnen am Grünstreifen vor dem Westbahnhof nächtigen. Im Solidarbezirk Neubau schaffen wir auch für sie Raum.


Markus Reiter, Bezirksrat, Vorsitzender der Sozialkommission